Volle Praxen – lange Wartezeiten

Psychische Gesundheit ist kein Bonus des Arbeitgebers und kein Thema für Wartelisten.
Katrin Monsior über Verantwortung, Systemgrenzen und warum mentale Stabilität bei dir selbst beginnt.
Psychotherapiepraxen sind voll.
Psychologische Versorgung ist knapp.
Wartezeiten von mehreren Monaten sind eher Regel als Ausnahme.
Nicht, weil Therapeutinnen und Therapeuten ihren Job schlecht machen.
Sondern weil das System auf Reparatur statt Prävention ausgelegt ist.
Menschen kommen erst dann, wenn es nicht mehr geht. Wenn der Körper streikt.
Wenn die Psyche kollabiert.
Und dann wundern wir uns, dass es lange dauert.

Es liegt nicht an den Männern

Warum wiederholen wir schmerzhafte Beziehungsmuster?
Katrin Monsior erklärt, warum es selten an den Männern liegt – sondern an unbewussten inneren Beziehungserfahrungen, die gesehen werden wollen.

Gefühle aushalten

Wieso halten wir Gefühle anderer selbst nicht mehr aus? In meinen Gesprächen ist es immer wieder ein Thema mit meinen Klienten. Es ist immer wieder ein Thema, in denen sie mir danken dafür, dass ich auch einfach einmal zuhöre. Nicht alles kommentiere. Ihnen sage, dass sie das mal positiv sehen sollen.

Ihnen Zuspreche – Wie stark sie doch sind und dass sie das auch schaffen werden. Ich halte diesen Raum für Sie. Dass Sie einfach mal loslassen können. Einfach mal diesen ganzen, diesen ganzen Gefühlswust, der sich aufstaut und immer wieder runtergedrückt wird: Weil das macht man nicht. So was sagt man nicht. So was sollte man nicht denken.

Immer wieder einfach runtergedrückt wird und dadurch immer wie so eine Masse im Körper verweilt. Und einfach immer schwerer wird. Raum halten. Können die meisten leider nicht.

Bezug zur Realität

Was passiert, wenn wir den Bezug zu unserer Realität, zur ersten Wirklichkeit, zur Ordnung, das, was uns wirklich umgibt, was wir mit unseren Sinnen wahrnehmen können, verlieren. Simone Veil hat ein Zitat dazu verfasst, das genau das sehr schön auf den Punkt bringt, was passiert.Es heißt, der Verlust der Berührung mit der Wirklichkeit ist das Böse.Und jetzt sagst du okay, wann passiert das? Jeden Tag. Mehrfach. Du bekommst es nur nicht mit.Woher kommt das? Woher kommt diese Abweichung von Realität und unserem Denken? Meistens sind es unsere Gefühle. Das, was du fühlst, hat in diesem Moment nichts mit dem Außen zu tun. Wenn dir das bewusst ist und du dem auf die Spur gehst, dann kannst du daran arbeiten. Dann verändert sich das Gefühl und du hast es dann nicht mehr. Den Gedanken Eigentlich bin ich allein.

Real Talk

Ich sehe viele Dinge die heutzutage angeboten werden sehr kritisch und finde sie unnötig. Oder haben Dir Deine ganzen Selbstfindungsbücher bis jetzt wirklich geholfen? 

Einsamkeit in der Gesellschaft

Einsamkeit zieht sich durch die Gesellschaft. Nicht unbedingt die gelebte Einsamkeit, sondern das Gefühl, alleine zu sein. Alleine dazustehen. Das zieht sich durch. Denn du könntest. In einer vollen Innenstadt stehen und trotzdem das Gefühl haben, Du bist da ganz allein.
Woher kommt das? Woher kommt diese Abweichung von Realität und unserem Denken? Meistens sind es unsere Gefühle. Das, was du fühlst, hat in diesem Moment nichts mit dem Außen zu tun. Wenn dir das bewusst ist und du dem auf die Spur gehst, dann kannst du daran arbeiten. Dann verändert sich das Gefühl und du hast es dann nicht mehr. Den Gedanken Eigentlich bin ich allein.

Verantwortung übernehmen

Es gibt echte Not. Und es gibt selbstgemachte Ohnmacht. Beides fühlt sich gleich an – aber es ist nicht dasselbe. Hilflosigkeit ist oft das, was entsteht, wenn Verantwortung unbequem wird. Wenn wir lieber leiden, als handeln. Wenn wir lieber klagen, als konfrontieren. Die Psychologie spricht hier von erlernter Hilflosigkeit – einem Zustand, in dem Menschen sich selbst die Wirksamkeit abtrainieren. Sie glauben irgendwann, sie könnten nichts tun – und hören auf, es zu versuchen.

Zappeln gegen Streß

Noch nie wollten so viele Menschen „bewusst“ leben – und noch nie war die Suche danach so laut. Was früher innere Einkehr war, ist heute Eventkultur: Trommeln, Atmen, Schütteln, Tönen. Und natürlich „Raus aus dem Kopf, rein in den Körper“. Aber wenn Achtsamkeit zum Spektakel wird, verfehlt sie ihren Sinn. Denn echtes Bewusstsein braucht keine Reizüberflutung, um still zu werden.
Psychologisch betrachtet, sucht der Mensch in solchen Angeboten oft nicht Bewusstsein, sondern Erlösung vom Unbewussten – von der eigenen Rastlosigkeit. Das Schütteln wird dann zum Symbol für das, was man innerlich nicht fühlen will.

Gesünder leben oder Ausreden finden

Wir wissen alles. Wie man sich ernährt, wie viel Bewegung gesund ist, wie viel Schlaf wir brauchen. Es fehlt nicht an Information.
Es fehlt an Integrität – also daran, das zu tun, was wir wissen. Die Verhaltenspsychologie nennt das Cognitive Dissonance: Wir wollen gesund leben, aber gleichzeitig dazugehören. Wir sehnen uns nach Veränderung, aber nur, wenn sie sich nicht zu sehr verändert. Also schaffen wir uns soziale Entschuldigungen:
„Ich mach ja mit – aber nur heute.“
„Ein Glas Wein ist doch kein Problem.“
„Man muss ja auch genießen dürfen.“
Das ist nicht Genuss. Das ist Verhandlung mit dem eigenen Gewissen.

Morgenroutine ist auch keine Lösung

Viele verwechseln Disziplin mit Bewusstheit. Doch das sture Befolgen einer Routine kann dieselbe Funktion erfüllen wie jede andere Kompensation: Nicht-Fühlen. Fokus: Psychologisch: Unterschied zwischen Selbstregulation (bewusst) und Kontrolle (ängstlich). Zitate / Studien: Forschung zur „Cognitive Rigidity“ (mentale Unflexibilität bei übermäßigem Kontrollstreben). Kernaussage: Wenn Routine zum emotionalen Pflaster wird, verhindert sie Entwicklung.